Der letzte kleine Rest (unnötiger?) Reiseutensilien wird noch im Bus
verstaut. Barbara holt den Trip-Trap für Noah und wir verabschieden uns von
Katja Indermühle, sie wandert am 23. Juli nach Brasilien aus. Grossmamms kommt
auch noch. Pünktlich um 10.15 h fahren wir ab in die grossen Ferien: "Marokko
ruft!" In Ins beschafft sich Felix noch ein kleines GPS, Irene beteiligt sich
am Kauf (Merci!) und ersteht einen Pullover. Aber schon zwischen Lausanne und
Genf gibt es die erste Überraschung: Wir verlieren Briners und wir fragen uns,
wie das wohl erst im Ausland und auf einem ändern Kontinent ausgehen werde und
denken schon ans umkehren! - ? - Bange 20 Minuten warten wir an der Ausfahrt
einer Autobahntankstelle bis Briners endlich kommen, - sie mussten nur
tanken! Ca. 30 km nach der Grenze essen wir in einer Autobahnraststätte
Z'mittag. "Lack da food". Etwa um 18.00 treffen wir am Pont du Gard ein. Es ist
schon ein ziemlich eindrückliches Bauwerk das die Römer da hingestellt
haben. Zum Z'Nacht gab’s um 21.00h eine Pizza und bald darauf Nachtruhe. Nur
Felix und ich machten noch ein kleines "Abendtürli" über den
Camping!
09.07.2000 Sonntag Pont du
Gard-Sete-Verschiffen
Um 10.30h geht’s ab Richtung Sète, wo wir unsere
Autos im Hafen abstellen, Briners links, wir ganz rechts um keine Diskussion
betreffend Höhe zu provozieren, da Hennigs nur bis 2.00 m Höhe gelöst haben! Wir
gemessen das Essen in der Stadt. Heini und Felix stehen dann für Papiere am Zoll
an, später gehen Simon und Felix nochmals in die Stadt und schauen sich den
Kampf der Schiffer von Sète, ein Touristenspektakel, an. Ab 16.00 h wird dann
eingeladen. Briners waren ziemlich schnell im Schiff, wir erst um 18.00 Uhr. Vor
uns am Zoll musste noch so eine "blöde Kuh" Ihre ganzen "fiches" auszufüllen,
die hätte ja wirklich in den Stunden davor genügend Zeit dazu gehabt! Pünktlich
um 19.00 Uhr sticht die "marrakech" in See, auf dem Schiff ist es 18.00 Uhr. Um
19.00 Uhr gibt's Nachtessen, Heini hat einen 8-er Tisch organisiert: Harara
Suppe Tajine Fleisch mit Mandeln und Zwetschgen Käse Zum Dessert Das
Meer ist ruhig und es ist wunderschön. Heini und Felix füllen noch den nächsten
Stapel "fiches" aus, anschliessend spazieren wir übers Deck und gehen dann in
die Kajüte.
10.07.2000 Montag Überfahrt Sète –
Tanger
Nach dem Frühstück gehen wir aufs hintere Deck. Irgendwann wird
der Pool gereinigt und mit Meerwasser gefüllt. Simon ist der erste im
Pool! Wir faulenzen während dem das Schiff ruhig dahin dümpelt und geniessen
das "dolce far niente". Felix sagt, es fehle ihm etwas "Äckschen", noch weiss er
nicht, was er mit diesem Spruch heraufbeschworen hat! Zum z'Mittag verwöhnt
die Küche uns mit russischen Salat, Käse Millefeuilles, Fisch und Cassata zum
Dessert. Am Nachmittag beginnt die See rauher und rauher zu werde, wir
verziehen uns ins Innere und lesen, schauen Karten an, Felix studiert die GPS
Anleitung und wir faulenzen weiter. Zum z'Nacht gab's Lamm, Frites und Käse -
mehr weiss ich nicht mehr (Rosé le Président) - und sehr wenig Passagiere. Wir
hatten alle Kotzmedi's genommen und uns ging es wunderbar, bis auf Simon, der
hatte wieder einmal Migräne. So waren dann Simon und ich um 20.00 h im Bett.
Felix erzählte, dass es trotz des Sturms einen sehr schönen Sonnenuntergang
gab.
11.07.2000 Dienstag
Gibraltar-Tanger-Fes
Die See hat sich beruhigt, es ist wunderschön.
Erst um ca. 13.00 h legen wir in Tanger mit 6-stündiger Verspätung an. Dafür
sind wir noch nie so schnell aus einem Schiff gekommen inklusive
Zollabfertigung! Felix geht Geld wechseln und Heini Brot kaufen, das hier
"Chups" heisst, und endlich geht's ab ins grosse Abenteuer. Schon nach einer
halben Stunde sind wir am Meer, die Kinder sind nicht mehr zu halten. Badehosen
an und ab ins Wasser. Heini macht ganz was anderes mit Wasser, er kocht es für
ein Päckli-Süppli. Dazu gibt's erstmals vakuumverpackten Bohnensalat,
Fleischkäsli aus der Dose etc; zum Dessert Kafi und Törtli. Jetzt geht's
weiter Richtung Fes. Zuerst fahren wir über die Landstrasse bis Asilah, dann ein
Stück weit über die Autobahn bis Larache und schliesslich gelangen wir wieder
auf die Hauptstrasse. Es geht über eine Ebene, mehr oder weniger gerade aus nach
Ksar-el-Kebir. Heini überholt einen kleinen Lastwagen, Felix will dasselbe tun.
Als wir etwa auf gleicher Höhe mit dem LKW sind, beginnt der einen Velofahrer zu
überholen und drückt uns links von der Strasse ab. Zum Glück hat's hier ein
breites, bekiestes Bankett und langsam bremst Felix von 100 km/h ab um ja nicht
ins Schleudern zu geraten. Ein entgegenkommender LKW Fahrer hält an und
dirigiert uns zurück auf die richtige Fahrspur. Schicksal oder Zufall: Fünf
Minuten später wird unser LKW-Fahrer von der Polizei herausgewunken, wir dürfen
weiter fahren. Den Kerl hab ich beim vorbeifahren vielleicht
angeschrieen! Etwa eine Stunde später, vor Sidi-Kacem, nähert sich von hinten
ein LKW mit orangem Blinklicht. Als er näher kommt, hören wir den Fahrer hupen
bei allem was sich ihm in den Weg stellt. Bald kommen wir uns vor wie in einem
schlechten Road movie! Bereits ist der LKW so nah, dass er über unser Auto
hinaus sieht und auch uns die Velofahrer, Eselskarren und was sonst noch fleucht
und kreucht von der Strasse hupt. Endlich hat's keinen Gegenverkehr mehr und der
LKW überholt uns. Von nun an biegt er nicht mehr rechts ein sondern fährt hupend
und blinkend auf der linken Seite weiter bis er alle Fahrzeuge überholt hat. Den
Gegenverkehr drängt er dabei ganz einfach auf das Bankett ab! ! - "Vive les
conducteurs Maroccaine" -!
12.07.2000 Mittwoch Fes
Um 8.00 h schrillt
das Telefon, lack sind wir "verchlüpft". Es ist Heini der uns per Telefon weckt.
Nach dem Frühstück machten wir uns parat für den Besuch der Altstadt, dem Souq,
von Fes. Wir fanden einen guten Führer der uns viele interessante Bauten aber
auch Kleinigkeiten wie den Liegenschaftshändler, den Kammmacher, die Auslage des
Zahnarztes mit den Gebissen und den Scherenschleifer zeigt. Erführt uns durch
munzige Gässlein, die nur eine Anfangshöhe von ca. 1.5 m haben, beim talwärts
Schreiten immer höher werden, bis drei Stockwerke hoch und so schmal sind, dass
man kaum zu Fuss kreuzen kann. Die Altstadtgassen sind verwinkelt und
verwirrend, man findet sich alleine als Fremder nicht zurecht. Zwar grauenhaft
stinkend aber ein wunderschönes Sujet ist die Gerberei. Das herrliche
marokkanische Mittagessen haben wir im Palais Tajine, einer kleinen Altstadtbeiz
sehr genossen, inkl. Rosenwassergespritze zum Schluss! Bei der Rückkehr zum Auto
bot uns ein junger Mann 2000 Kamele für Tina an, aber wir gaben sie nicht!
Nachmittags um 14.00 h, der heissesten Zeit notabene, (typisch für Hennig's)
treffen wir beim Auto ein wo Heini sein Thermometer aus dem Auto hervorzieht. Es
zeigt 60° und ist am Anschlag! Zum Glück hat das Hotel einen Pool - und eine
Klimaanlage -!
Am Abend stellen Heini und Felix anhand des Führers die Route
inkl. Koordinaten für die nächsten Tage zusammen und ich habe mit dem Schreiben
dieses Berichtes begonnen. Auch Irene ist fleissig am Schreiben.
Frühstück im Hotel, dann tanken und Wasser
bunkern, so begann unser Tag heute. Wir verlassen Fes und fahren über Azrou in
den "foret des cèdres" zur grössten Zeder der Welt. Die Fahrt führt uns durch
eine wunderschöne Landschaft mit "Schweizer Chalets", Skilift und so. Bei der
Zeder erwarteten uns schon die Affen. Sie fressen einem aus der Hand und sind
auch sonst ziemlich frech. Irene stellt mehrmals ein Becken mit Wasser hin.
Gierig trinken die Affen das Wasser, leeren es aber häufig auch wieder aus. Eine
Mutter mit Ihrem Jungen auf dem Rücken kam und der Kleine landete gleich
kopfüber im Becken um zu trinken, das sah wirklich süss aus. Weiter ging die
Reise über den "col du zad" nach Midelt, wo wir noch einmal tanken. Im Führer
stand, dass der Cirque de Jaffar praktisch unpassierbar sei, wir entschlossen
uns deshalb für eine westlichere Piste. Wir verfuhren uns und landeten nördlich,
oberhalb des Cirque. Felix wollte hinunterfahren, aber liess es dann nach
heftiger Intervention aller Andren bleiben!
Um 18.00 h fanden wir nach der
Überquerung eines kleinen Passes einen schönen Platz zum Übernachten. Alle
hatten Hunger. Bei 26° und leichtem Wind hatten wir ein Fröstelgefühl und zogen
unsere Pullover an. Es dauerte nicht lange und schon standen einige Jugendliche
um uns herum. Sie wollten uns überreden am nächsten Morgen die Piste im Tal
durchs Dorf zu nehmen, das sei sicherer. In der Nacht kam aber noch ein älterer
Mann den Hang hinunter und empfahl uns die oben am Hang liegende Piste zu
befahren. Für seinen ehrlichen Rat erhielt er ein "Tischi" von Simon und
bedankte sich dafür mit dem Segen Allahs.
14.07.2000 Freitag Schlafplatz - Anemzi -
Richtung Tizi-n-Ouano
Wir machten uns also auf die Reise via obere Piste.
Vom Dorf aus wurden wir aber offenbar beobachtet und die Jungs kamen angerannt
und wollten unbedingt, dass wir durch Ihre Dörfer fahren. Wir liessen sie stehen
was wohl ziemlich frustrierend für die gewesen sein musste. Wir machten uns
etwas Sorgen, war doch auf der Michelin-Karte vermerkt, dass die Strecke zuerst
für Fahrzeuge bis 9t, weiter aber nur noch für 2 Tönner passierbar sei - unsere
Fahrzeuge hatten beide über 2.5t! Plötzlich mussten wir anhalten. Ein Lastwagen,
vollgeladen mit Telefonstangen war mit der hinteren Achse von einer Brücke
gekippt und steckte damit in einem Bachbett fest. Der Weg war versperrt und die
Brücke im Eimer - und wir hatten uns Gedanken gemacht! So mussten wir uns eine
Umfahrung suchen um dieses "Muschgila" zu umgehen!
Wir überqueren den von
rechts kommenden Weg von Tounfit und fahren via Tagoudit, vorbei am Jbel
louigharacene. Von Agoudim nach Anemzi führt die Strasse durch schräg
gefaltetes, farbiges Gebirge. Imichil die Hochzeitsstadt lassen wir rechts
liegen, Tina hatte schon Bedenken, dass wir sie verkaufen wollten! Nach Agoudal
fuhren wir Richtung Tizi-n-Ouano und fanden vor dem Pass in einem kleinen
Seitentälchen einen Platz zum Übernachten. Kaum angekommen hatte ich
furchtbare Bauchkrämpfe und schlotterte wie Espenlaub. Das Fieberthermometer
zeigte denn auch 38.4 ° Bald war ich im Bett. Die Anderen gingen noch zu einem
Abri hoch über dem Tal, suchten Steine und genossen den Ausflug zu Fuss. Hoch
auf dem Berg entdeckten Sie nach der Rückkehr zum Lager zwei Gestalten mit einem
Dromedar deren Konturen sich schwarz gegen den roten Nachthimmel abhoben - ein
tolles Bild. Um 22.15 h ging's dann bei mir los. Schön jede Stunde bis
........
...... um 3.45 h. Ich setzte
meine Häufchen die immer dünner und heller wurden. Wie immer nach einem
Nachtlager zündete Heini am Morgen den Abfall an, damit wir unsere Plätze sauber
hinterlassen konnten. Unter anderem auch jedes einzelne Papierli von meinen
Häufchen - ob er sie wohl fotografiert hat? Simon wurde geheissen, noch die
restlichen Abfälle auf das Feuer zu werfen. Plötzlich gab es einen riesen Knall
und Simon flogen heisse Teile ins Gesicht. Irene schrie: "Lösched-en,
lösched-en" und goss Simon ein halbes Bidon Wasser über den Kopf. Mit einem
Schock vom Knall - oder vom Wasser? - legten wir Simon ab und begannen zu
untersuchen was passiert war. Er hatte riesiges Glück gehabt, die explodierte
Dose der "portion magique" mit der Heini seinen ersten Platten flickte,
verfehlte Ihn, nur das Plastikschläuchlein flog Simon ins Gesicht und klebte
jetzt an seiner Haut. Mit einem Eispack wurde eine halbe Stunde gekühlt und
anschliessend die Wunden mit Flammazin behandelt. Irene machte sich ein
Gewissen, da sie die Dose in den Abfall packte, die Heini vorher fein säuberlich
auf die Seite gelegt hatte.
Gelacht haben wir trotzdem: Zusammen mit der Dose flogen nämlich meine
versch...... Unterhosen durch die Luft und schmorten etwa sechs Meter neben
dem Abfallfeuer in den Steinen still und leise vor sich hin. Immer wieder hörten
wir ab jetzt den Spruch: "Weisch no, wo im Vivi sini Ungerhose explodiert
si!"
Mir war immer noch schlecht, und ich blieb hinten
im Auto liegen, Tina sass vorne bei Felix und Simon durfte beim Götti mitfahren.
So fuhren wir über Felsplatten bergauf über den Tizi-n-Ouano auf 3000 m.ü.M,
(GPS 2902 m.ü.M., N 31° 54.704', W 005° 39.728') dann durch märchenhaftes,
grand-canyon ähnliches Gebiet Richtung Tilmi. Im Tal unten kochten wir unser
obligates Süppchen, Simon und Myriam sassen in einem Felsabri über dem Tal und
klopften ganz vertieft Steine auf. Via Tilmi über Msemrir erreichten wir die
faszinierende Dades Schlucht und damit endlich wieder Teerstrasse!. Fast ging
die Faszination dieses Tales ob der Freude am Teerstrassenfahren verloren - oder
fuhr Felix nur wegen meinem Sch..... so zügig??? Ich jedenfalls bekam nur dank
den Schilderungen und bei meinen allhalbstündlichen Scheisshalt's die Schönheit
dieser Schlucht mit. Die Andren waren einhellig begeistert. In Bouleman du
Dades konnten wir wieder tanken, auch das Handy hatte wieder Empfang und Tina
konnte Ihr SMS von Sämi lesen. Über die Teerstrasse fuhren wir nach Tinerhir auf
den schönen, gepflegten Campingplatz Atlas. Es hat Plumpsklos und
Warmwasserdouchen, im Oasenbächli kann man baden. Leider war fürs douchen das
Warmwasser alle, da die Scheiss-Franzosen beim douchen einfach das Wasser laufen
Hessen. Für mich gab’s wieder nur Reis zum z'Nacht um endlich meinen Durchfall
zu stopfen. Dann fand ein langer, anstrengender Tag seine Ruhe!
16.07.2000 Sonntag Tinerhir - Gorge du Todra -
Ikiniouin - Richtung Tizi-n-Tazazert
Wir machten einen Abstecher in die
Todra-Schlucht. Sie ist sehr grün, wunderschön und es fliesst ein kleiner Fluss.
Wir sassen eine Weile am Fluss und kühlten unsere Füsse. Die Kinder begannen
sofort mit Steinen eine Staumauer zu bauen - es war so friedlich und es gab
einige Marokkaner die sofort mitbauten. Weil beim Abfahren das Öllämpli
leuchtete, sah Felix nur noch Rot und hatte einen solchen Respekt, dass er
gleich drei Liter Öl nachschüttete. Das zuviel an Öl mussten wir dann später in
Tinerhir bei einem Mechaniker wieder rauslassen. In dieser Zeit sendete ich
Susanne ein SMS und prompt kam eines zurück was uns natürlich sehr freute. Als
Felix dann zuvor noch auf der Bank war, habe ich mit Mamms telefoniert. Sie
sagte es sei sehr kalt und "gruusig" in der Schweiz, was uns natürlich wieder
freute, hatten wir doch herrlichstes Sommerwetter! Wir fuhren nun weiter
Richtung Ikniouin / Tizi-n-Tazazert. Doch bevor wir in die Berge kamen assen wir
unter einer Palme z'Mittag. Der heisse Wind blies so, dass wir immer alles
halten mussten und das Thermometer kletterte auf über 48°C! Das nenne ich einen
veritablen Föhnsturm!
In den Bergen hatten wir dann auch Ruhe vor den Kindern
die ständig "donne-moi, donne-moi" riefen. Unterhalb des Tizi-n-Tazazert fanden
wir auf einer Bergweide einen Lagerplatz und hatten eine klare Nacht. Der
Vollmond ging parallel hinter einem steilen Bergrücken auf, wir konnten nur
ahnen wo er gerade stand. Wir sassen im Mondschatten, die umliegenden Hänge
waren beleuchtet. Plötzlich lugte gegen 22.00h der Mond wie ein glitzernder
Diamant hinter dem Bergrücken hervor, fast blendete er uns. Ein fantastisches
Schauspiel, wir beschlossen spontan eine Mondaufgangssekte zu gründen! Kurze
Zeit später stand plötzlich ein Hirtenhund im Dunkeln hinter uns, wir hörten das
Fletschen seiner Zähne und er begann uns anzubellen. Da verzogen wir uns in
unsere Schlafsäcke, die inzwischen drei Hunde zogen bellend Ihre Runden und als
jeder etwas von unseren Essensresten gefressen hatte, gab es bald Ruhe.
17.7.2000 Montag Tizi-n-Tazazert –
Tazzerine
Nach dem Frühstück stand plötzlich eine junge Frau da und
sprach mit uns auf arabisch / berberisch. Ich gab Ihr einen Jupe und kurze Zeit
kam Sie mit einem wunderschönen Kopftuch zurück, band es mir um den Kopf und
Felix musste ein Foto machen. Ich gab Ihr noch Hosen und Pullover. Nach einer
Weile fragte ich Sie mit Gesten ob Sie das Tuch wieder zurück haben wolle und
sie war heilfroh, dass ich es nicht behielt! Weiter ging die Reise auf den
Tizi-n-Tazazert, wo sich die ganze Welt zu unseren Füssen auszubreiten schien.
Durch eine faszinierende Bergwelt mit Orgelpfeiffen-Formationen fuhren wir
vorbei an "Madame et Monsieur" hinunter ins Tal. Kurz vor Tazzerine begleitete
uns noch ein gewaltiger Sandsturm, so dass wir zeitweise anhalten mussten, weil
wir die Piste nicht mehr vor unseren Augen sahen. Der Campingplatz von
Tazzezrin ist sehr gepflegt und hat einen Minipool bzw. eine grössere Badewanne.
Kaum angekommen kam Heini mit Mineralwasser, Coca und Fanti angelaufen, bald
sassen wir im Schatten, faulenzten und tranken viel. Wir bestellten einen Salat
(wunderbar!!) und Omeletten, danach durften die Kinder baden. Wir waren die
einzigen Gäste auf dem Platz. Simon zog es vor diese Nacht in der Hängematte zu
verbringen. Und ich schlief zur Abwechslung mal im Zelt.
18.7.2000 Dienstag Tazzarine
Nach dem
Frühstück fuhren wir ca. 20 km süd-westlich und sahen uns einige interessante
6000-jährige Felsgravuren an. Kompetent wurden uns von Heini - den wir zum
abwimmeln der selbsternannten guides "Professor" nannten - die diversen Merkmale
der Felszeichnungen erklärt. Beim Zurückfahren assen wir unter idyllischen
Palmen z'Mittag -es war wieder mal satanisch heiss. Auf dem Zeltplatz
angekommen verzogen sich die Kinder, Heini und Felix ins kühle Nass des Pools.
Aber "oha lätz"! Plötzlich rief Heini: "Wo isch mis Gäld?" und griff sich an die
geschwellte Brust. Doch es war schon zu spät, Heini ging unter die Geldwäscher!
Sämtliche Nötli und Checks waren "pflotschnass", und wir verbrachten einige Zeit
damit das Geld an der Zeltleine zum trocknen aufzuhängen. - Welch ein Bild, -
welch ein Gaudi! Zum z'Nacht bestellten wir wieder feinen Salade Marrocaine,
aber der Koch hatte fast keine Zeit unseren Salat zuzubereiten, denn er "musste"
mit den Kindern Fussball spielen. Zum Salat kochte ich noch Spätzli,
Gulagesuppe, weisse Böhnli und Rotkraut. Ich war innig mit Spätzli braten
beschäftigt, dachte nichts böses und schon lag die Pfanne samt Inhalt am Boden.
Die einzigen die sich freuten waren die Katzen, alle Andren mussten auf die
nächste Portion warten! Nach dem Essen gingen die Kinder wieder zum Koch und
der Camping-Crew, sie brachten einander Deutsch, Französisch, Arabisch und weiss
was alles noch bei und hatten einen Riesenspass. Irene brachte als Krönung noch
Staldencrème in die Küche, war das ein Festessen für die erweiterte
Küchenmannschaft .In dieser Nacht fanden sich dann noch weitere Leute auf dem
Zeltplatz ein. Eigentlich schade! Es war doch alleine so friedlich
gewesen!
19.7.2000 Mittwoch Tazzarine –
Erfoud
Es kam der grosse Abschied von Tazzarine und die Reise ging weiter
nach Erfoud. Die Strasse führt durch eine ziemlich karge Gegend. Am Strassenrand
wartete ein Geko, später lief noch einer über die Strasse, Felix hätte "das
dumme Viech!" beinah überfahren. Gegen Mittag kamen wir im Hotel Tafilalet an
und bezogen unsere Zimmer. Wir assen etwas Kleines, anschliessend brachte Heini
seinen kaputten Pneu in die Garage und die Kinder freuten sich aufs
Pool. Gegen Abend fuhren wir aufs "Riff' hinaus (vor Jahrmillionen war hier
noch Meer) und suchten nach Versteinerungen und Ammoniten für das Konfgeschenk
von Mamm's an Tina. Felix schaffte zwar Heini's Meissel, aber nicht das
Herauslösen einer Versteinerung! Wir trafen dann noch einen Berber und gingen
zu seinem Laden. Er zeigte uns seine Steine und Versteinerungen, erklärte uns
die Herkunft und wie sie alles fänden. Beim anschliessenden Tauschhandel Kleider
gegen Steine verging die Zeit wie im Flug und langsam wurde es dunkel. Haben wir
wohl noch genügend klar gesehen beim Tauschen? Wir werden ja dann sehen! Auf
dem Rückweg ins Hotel überholten wir nebst vielen lichterlosen Velos auch ein
kleines Auto das hinten keine Lichter hatte. Mann, das war ziemlich
gefährlich! Und dann gab's endlich etwas z'Nacht und ein weiches
Bett.
20.7.2000 Donnerstag Erfoud –
Merzouga
Die Reise ging weiter Richtung Süden. Doch vorher machten wir
noch einen Abstecher ins Hotel Elati, das hat nämlich einen wunderschönen Pool.
An der Reception fragte Heini ob wir baden könnten und was das kosten täte? Die
Antwort lautete: 400 Dirham für alle. Das sind ca. 60 Fr., doch soviel wollten
wir nicht bezahlen. Nach einigem Feilschen liess uns der Typ von der Reception
für 100 Dirham rein. Schliesslich wurden wir zu acht am riesigen Pool in einer
kühlen Gartenhalle für 900 Dirham von zwei Kellner fürstlich serviert. -De luxe,
de luxe!! Gegen 16.00 Uhr fuhren wir dann Richtung Merzouga. Jetzt kam der
Moment auf den sich die Kinder schon seit Tagen freuten: Sie durften endlich
selber Auto fahren und das ging wirklich ganz flott.
Kurz vor Merzouga
erwartete uns ein Sandsturm und das sollte nicht der einzige sein heute. Wir
fuhren weiter hinter einige Dünen um unser Lager aufzustellen. Felix sass
ziemlich "down" im Auto, er hatte wohl zu wenig getrunken. Da wurden wir auch
schon bald von ca. 20 Kindern belagert. Irene erzählte die Geschichte vom Kuonz
und der dummen Kuonzessa und alle "Marrokanerlein" hörten ihr gespannt zu,
obwohl sie kein Wort aargauerdeutsch verstanden -aber wer versteht das schon?
Als die Sonne untergegangen war, verschwanden auch die Kinder, dies nachdem
Heini einem Jungen noch sein kaputtes Bidon als "Schmiergeld" verschenkt
hatte. Nach dem Nachtessen kam dann noch "Äckschen" auf, in Form einer
gewaltigen Windhose, die alles, was nicht festgezurrt war, mitriss. Unsere
"Äckschen" bestand darin, alles was der Wind fortnahm in der Dunkelheit wieder
zusammen zu suchen! Und damit waren wir bis zur "bed-time" ausreichend
beschäftigt!
21.7.2000 Freitag Merzouga - Taouz
- Richtung Lac Meider
Wir sind noch nicht richtig wach, sind diese Kinder
von gestern wieder da." Go bisle, chasch vergässe." Tina hatte den "Gränner" und
ich war auch schlecht drauf, wir schnauzten uns alle an wegen nichts. Dann
verjagte Irene diese Kinder, sie sagte ihnen auf arabisch ich sei krank. Nach
dem z'Morge (oder war es vorher) hatten wir nochmals einen Sandsturm, so etwas
hab ich noch nie erlebt, es machte mir fast Angst. Damit hiess es wieder
"Äckschen", alles zusammensuchen und alles einpacken für die Weiterreise nach
Taouz, wo Briners Ihren "Ami" Boussid besuchen wollten. Dummerweise war jedoch
der nicht hier, sondern da, von wo wir gerade herkamen! Briners schrieben
Boussid also einen Brief und wir verschenkten unsere Schokolade an die
Dorfkinder, wobei der "Lädeli"- Mann diese in seinem Kühlschrank zuerst noch in
eine feste Konsistenz zurück verwandeln musste! Der Ladenbesitzer hatte in
seinem Haus noch Steine zu verkaufen und ich suchte mir einen blauen Stein mit
grünen Punkten aus. Ein anderer Junge, Omar hiess er, brachte uns in sein Haus
ausserhalb des Dorfes und zeigte uns seine Dinosaurier-Knochen. Irene erstand
(unter leichtem Protest Heini's) einen Schnabel und will diesen in der Schweiz
untersuchen lassen -ob es wirklich ein Dino-Schnabel ist? Danach gab es Tee
"Scheibi na na" und Guetzli. Tina versuchte auch Tee und fand's nicht mal so
schlecht! Am Dorfbrunnen gingen wir Wasser bunkern und schon bald waren wir
wieder auf der Piste. Unterwegs trafen wir auf eine Militärpatrouille. Der
Fahrer meinte:" Le premier et pfrrr, pfrrr, pfrrr.......", dazu, wedelte er mit
der Hand. So legte Felix den zweiten, untersetzten Gang mit 4-WD ein und mit
Vollgas ging's ab durch den Sand. Le premier et pfrrr, pfrrr, pfrrr.........
funktionierte einwandfrei!
Das Tal durch das wir nun zuckelten war absolut
hinreissend schön mit seinen roten Sanddünen und den schwarzen Felsen. Vor Ende
des Tales entschieden wir uns zu übernachten und fanden auch einen geeigneten
Platz. Wer wollte konnte noch mit 45° warmem Bidonwasser duschen und obwohl es
doch über 35° am Schatten war, froren alle nach der Dusche und klapperten mit
den Zähnen. Nach dem z'Nacht genossen wir die durch die untergehende Sonne in
kontrastreiche Farben getauchte Landschaft und nach hereinbrechender Dunkelheit
die absolute, wohltuende Stille und die zum greifen nahe
Sternenpracht.
Morgens um 4 Uhr ist die Welt noch
in Ordnung. DENKSTE !!!!! Aber nicht, wenn man mit einem Regen- und Sandsturm
unsanft aus dem Schlaf gerissen wird. Also Morgens um 4.00 Uhr ging's los:
Zuerst regnete es, also wurden Felix und Simon in Ihrem Zelt pitsch-nass
(Spinnst Du in der Wüste stellt man doch wirklich kein Aussenzelt auf!), dann
war 10 Minuten Ruhe in denen alle Ihre Köpfe aus Autos und Zelt streckten und
über das ungewöhnliche staunten, dann kam ein 10 minütiger Sandsturm, also
wurden Felix und Simon eingesandet (Spinnst Du ............. siehe oben), es kam
eine 10 minütige Pause, in welcher Irene ihrer Plane nachjagte und Tina das
Dachzelt schloss und Heini vom Autodach "biselte" und Felix seinen Bidons
Lebewohl sagte, dann kam der Sturm von der anderen Seite, dann endlich war Ruhe.
Alle krochen hervor, es war 5 Uhr morgens und wir begannen mit der Zubereitung
des Morgenessens. Nein ! Es kam kein Sturm mehr, es wurde ein wunderschöner
Morgen und bald waren wir wieder unterwegs und verliessen das rote Tal. Um
8.00 Uhr kamen wir beim Lac Meider, einem Zeitsee an und schon gab's ein Coci
nach dem Sturm und eine Visitenkarte für Felix und Heini! Mit 80 Sachen
überquerten wir den Zeitsee und trafen auf einen Militärposten. Verschlafen aber
freundlich wurde uns der Weg zum nächsten Posten mit vielen guten Ratschlägen
gewiesen. Bald darauf kam die Durchquerung eines Sandfeldes auf einer leichten
Anhöhe - (Man hätte auch etwas zurück und dann nördlich fahren können -
scheint’s -) und damit ging Simons geheimer Wunsch in Erfüllung; der Papi
versandete. Wie von der Tarantel gestochen rannte Simon aus dem Auto und begann
wie wild zu schaufeln. Bald waren wir dank den Sandblechen von Heini und dem
Stossen Aller, - ausser Felix einer muss ja fahren, - häkhäm - wieder flott,
aber das Spektakel wiederholte sich noch zwei Mal. Nun trafen wir wie
vorausgesagt auf den zweiten Militärposten, wir plauderten über den weiteren
Verlauf der Piste und schliesslich gab's Tee auf zwei Feldbetten vor den Autos.
Weiter ging's um den Posten nach rechts, aber nur gerade drei Minuten über einen
kleinen Hügel und schon stiessen wir auf eine Karawane an einem Brunnen - ein
Traumbildli, aber ohne Fotos wegen dem Militär und so. Beim Anblick unserer
"Girls" bekamen plötzlich alle jungen Männer Kopfschmerzen und wir verteilten
Aspirintabletten, natürlich nicht ohne genaue Indikation. - Obs genützt
hat?-
Nun fuhren wir über eine weite Reg-Ebene nordwestlich Richtung Ameroud,
welches wir genau wie später Tissemoumine aber weit rechts liegen Hessen. Wir
genossen das faszinierende Spiel der flimmernden Wüstenhitze und ergötzten uns
an den Luftspiegelungen. Weil es hier keine eindeutige Piste gibt, sondern nur
irgendwelche kreuz und quer vertaufende Fahrspurenbündel, kontrollierten wir
immer wieder unseren Standort und unsere Fahrtrichtung mit dem GPS und der guten
Karte 1:250'000 von Zagora. Und weiter ging’s westwärts, die Piste wurde immer
brutaler und wir schlugen ein paar Mal heftig auf. Ganz abrupt änderte die
Steinstruktur von kantigen auf runde Steine als wir in den Oued einfuhren. Auf
dem Tizi-n-Tafilalet gab’s eine kurze Rast. Zu allem Elend hatte Simi noch den
"Scheisser" deshalb mussten wir immer wieder anhalten. Kurz vor dem Zielort
Zagora kamen wir nochmals in einen heftigen Sandsturm, so dass wir anhalten
mussten, dafür aber den Windhosen zuschauen "durften". Endlich, endlich
erreichten wir Zagora. Der Zeltplatz war sehr ungepflegt und so beschlossen wir
im Hotel zu schlafen. Das Hotel Fibule du Draa hat ein ganz spezielles Cachet,
es ist wahrscheinlich längst nicht das beste am Platz, dafür das "schnüsigste!"
Felix rechnete das Stundenmittel reine Fahrzeit aus, dieses betrug gerade Mal
17.5 km/h! Beim Nachtessen gab's dann noch Spannungen wegen der Tischordnung, so
dass Briner's und Hennig's schlussendlich an zwei verschiedenen Tischen sassen -
kein Wunder bei dem heute bewältigten Programm! Den nachfolgenden Schlaf hatten
wir uns alle redlich verdient.
23.07.2000 Sonntag
Zagora
Simon und ich haben beide durchgeschlafen, kurz vor acht
standen wir auf und gingen zum Frühstück. Wir spazierten anschliessend über den
praktisch touristenfreien Markt, Felix kaufte drei Orangen für ca. 30 Rappen,
was der Preis für zwei Kilos ist, und hie und da wurde "gschneugt". In einer
kleinen Drogerie fand ich noch Douchegel, das heisst der Ladenbesitzer machte
sich auf die Socken und kam nach fünf Minuten mit dem Gesuchten wieder. Hier ist
der Kunde eben wirklich noch König! Im Hotel du sable (Führer sei Dank) gab's
ein feines z'Mittag. Zurück im Hotel genossen wir das Faulenzen am schattigen
Pool. Das Nichtstun ging dann einigen auf den Geist und es kam zu einem Gewitter
zwischen Heini und Tina. Bis zum Abendessen beruhigte sich die Situation etwas,
es nahm sich jeder zusammen. Nach dem z'Nacht gab's noch ein Bier am, im und um
den Pool unter Sternenhimmel und Palmen und der nächtliche Friede kehrte langsam
ein!
Ein Tag zum Faulenzen ist auch ein Tag zum Denken. Nebst den
landschaftlichen Schönheiten, den faszinierenden Städten und der orientalischen
Vielfalt sind uns auch Menschen begegnet, manchmal nur flüchtig, manchmal
reichte es für ein paar Worte. Und doch bleibt nach jeder Reise ein Gefühl
zurück, ob es richtig ist, dass wir mit unseren vollbepackten Autos durch
Gebiete fahren, die praktisch unerschlossen sind. Welchen Eindruck hinterlassen
wir, wenn wir uns ab den "donne-moi, donne-moi" Betteleien lautstark aufregen,
wenn wir am Abend die "Zuschauer" wegjagen um schlafen zu gehen oder unterwegs
einfach die Wegbarrieren unbeachtet in einer Staubwolke umfahren? Wie reagieren
in Zukunft die Einwohner in diesen Landstrichen auf nächste Besucher oder wie
würden wir reagieren, wenn plötzlich bei uns jemand so unverhohlen auftauchte?
Dann kommen dazu die kritischen Gedanken zur Kinderarbeit, augenfällig in der
Gerberei oder der Weberei in Fes, etwas weniger augenfällig aber nicht minder
tragisch auf dem Land bei den Hirten; oder Gedanken zur mangelnden Schulbildung
und zur Arbeitslosigkeit, und der Tatsache, dass die beste Stelle für eine/n
Uniabsolventen in Linguistik diejenige an der Hotelreception ist! Weitere
Gedanken zum Gefälle zwischen arm und reich, zwischen Stadt und Land und der
Funktion der Muftis spinnen im Gehirn umher. Und dann die Bilder von
gescheiterten, oft mit dem Tod bezahlten illegalen Einwanderungsversuchen von
Marokko nach Gibraltar. Sicher haben wir dutzende Wunden verbunden, kiloweise
alte Hosen und T-Shirts verteilt ganz zu schweigen von den Stilos und Täfelis -
aber ist das wirklich genug und vor allem auch richtig was wir da tun? Haben wir
uns überall korrekt verhalten und haben wir nie mit unserer "Aalegi" oder
unserem Verhalten unnötig provoziert? Und haben wir das Recht, die Kinderarbeit
zu verurteilen und das Land und seine Einwohner zu kritisieren? Wir waren
Besucher in einem fremden Land und haben versucht uns entsprechend zu verhalten
- ob es uns gelungen ist werden wir wohl nie erfahren.
Felix und Heini bunkern Wasser und
Benzin, wir gehen noch auf die Bank und werfen auf der Post unsere Karten ein,
dann verlassen wir Zagora Richtung Foum Zguid. In Tamegroute, einem halb in
den Boden gebauten Dorf, sehen wir uns eine Töpferei an. Es werden hier auch
Dachziegel gebrannt. Wir fahren weiter auf die Passhöhe Tizi-Beni-Selmane, von
welcher man einen herrlichen Rückblick in das Draa-Tal hat. Hier kreuzen wir
auch den Franzosen, dem wir gestern mit GPS Punkten vom Lac Iriki ausgeholfen
haben. In M'Hamid geraten wir in eine Militärkontrolle und plaudern mit dem
Polizisten. Jetzt geht’s weiter, wir baggern uns problemlos über teils sandige
Pisten bis zu den heiligen Quellen (Source sacrée). Hier wollten wir eigentlich
Rast machen und schlafen. Man kann an diesem lieblichen Platz aber nicht mehr
wild campen und so beschlossen wir noch etwas weiter zu fahren. In den Dünen
fanden wir einen wirklich schönen Platz. Leider gab's dann noch ein Ausrasten
zwischen Heini und Tina wegen Kleinigkeiten.
Nach dem Nachtessen war Simon
mit dem Abtrocknen in der starken Dämmerung beschäftigt und sagte plötzlich:
"Schaut mal die Dromedärers"! Zwanzig Meter neben unseren Autos zogen ca. 20
Wüstenschiffe vorbei. Schnell senkte sich die dunkle Nacht, der Abend wurde bald
ganz ruhig und jeder verkroch sich in seine Schlafecke. Felix und ich schauten
uns die Sterne an und ich konnte mich an seinen Schultern wegen dem Tina-Gstürm
ausweinen. Bald fanden auch wir zwei unsere Ruhe und gingen schlafen.
Wie immer im Freigehege ist kurz nach
Sonnenaufgang um 6.00 Uhr Tagwache. Alsbald werden die anstrengenden
Aufpuffarbeiten erledigt um von der Nachtkühle noch solange wie möglich zu
profitieren. Unterdessen wird das Morgenessen hergerichtet. Diese Nacht waren
viele Wüstentiere unterwegs, wie wir an den zahlreichen Spuren sehen konnten.
Keine 100 Meter neben unserem Schlafplatz war bis vor kurzem noch ein
Wasserloch. Auf jeden Fall gingen wohl die Dromis von gestern nicht mehr weiter
und ein kleines Dromedar muss sich in den Sand gelegt und dort geschlafen haben.
Klar waren die Abdrücke seines Kopfs zu sehen, zuvorderst eine ballonförmige
Vergrösserung vom Atem. Die vier Beine waren klar zu sehen, die Schwanzlage, die
feuchte Stelle vom Morgenbisli und dahinter die entsprechenden Böhnli! - Ein
hittiges Bild!- Aber daneben gab's noch Spuren von Wüstenmäusen, Erdmännchen,
vielen Käfern und schliesslich auch einer Schlange. Dort wo die Schlange im Loch
unter einem Dornbusch verschwand, krabbelten gelb-schwarze Käfer umher und die
Kinder glaubten schon die Schlange gesehen zu haben! Welch ein
Gekreische!!
Nun fuhren Briners als erste los. Auch Felix wollte seinen Motor
starten - aber dabei blieb's dann auch! Alle Hennigs winkten und schrien, aber
Heini suchte sich seinen Weg zurück auf die Piste. Na ja, auch er kam dann nach
einem halben Kilometer Fahrt dazu in seinem Fernglas nach uns Ausschau zu
halten. Übrigens: Ein kurzes Anziehen genügte und unser Gumpesel startete
wieder! Bald darauf und nach Versorgung diverser einheimischen "Wüsten -
Wunden", die zum Teil recht haevy aussahen, tauchten auf unserer rechten Seite 5
- 6000 Jahre alte Grabhügel, so genannte Schlüsselgräber auf. Wir stöberten
herum und Felix fand eine Pfeilspitze aus Silex. Tina fand eierschalenfarbige
Eier mit braunen Tupfen, die ohne Schutz in den schwarzen Steinen lagen. Ohne zu
überlegen wurden diese mitgenommen. Erst beim Auto angelangt kam dann die
Erleuchtung: Es könnten ja auch Schlangeneier sein! So wurden diese gut
eingepackt. Den Vogel abgeschossen haben aber Myriam und Simon: Sie fanden einen
komplett erhaltenen Schädelknochen eines Dromedars, etwas weniger alt zwar als
die Gräber aber viel eindrücklicher!! Der Silexpfeilspitz und die Eier kamen
ins, der Kamelkopf aufs Auto und so ging’s weiter. Am Irikisee machten wir
Pause und assen unser obligates Süpplein. Es war megaheiss -nicht das Süppchen-
die Aussentemperatur. Wir kamen nach der Weiterfahrt zu einem weiteren
Militärposten. Der Chef musste alle, die hier vorbeikommen eintragen. Aber nur
unser Führer, in diesem Fall Heini, durfte ins Buch schreiben. Name, Vorname
etc. war in Handschrift vorgemerkt. Nach dem Einschreiben sah sich Heini das
Buch genauer an, es war ein A5 Hüseliheft, sein Name stand auf der ersten Seite.
"Vous êtes les Premiers" war der lapidare Kommentar des Postenchefs! Nun
fuhren wir weiter über eine brutal raue Piste (armes Auto) und kamen nach Foum
Zguid, eine Militärstadt. Nebst einem Coci gab’s Benzin, das Coci war gut, das
Benzin - wie sich später herausstellte - weniger! Nach dem anstrengenden Tag
beschlossen wir in ein Hotel nach Ouarzazate zu fahren. Unser irres
4-Steme-Hotel, das Kenzi Belere, erreichten wir nach einer eindrücklichen Fahrt
durch das faszinierenden Gebirge des Anti-Atlas.
Felix machte heute nach dem Aufstehen einen "Morgenschwumm",
dann genossen wir das "Zmörgele" und machten uns anschliessend auf den
Weg. Selbstverständlich schauten wir uns in Ouarzazate noch eine
Storchenkasbah an und wie wir im Hotel herausgefunden hatten, wurde gerade der
Film Paulus in Damaskus gedreht. Es war faszinierend herauszufinden, was denn
nun Kulisse und was echtes Gebäude war! Wir fuhren weiter nach Aid Benhaddou
wo wir uns die restaurierte Kasbah ansahen. Nach einem Mittagslunch fuhren wir
weiter über die gebirgige, steile und enge Piste. Die Piste ist zum Teil in den
Fels gebaut worden und so eng, dass man bergseitig den Fels zum Auto heraus
berühren kann! Die Strasse führt beinahe durch die Wohnzimmer der Häuser am
Wegrand.
Faszinierend ist das satte Grün im schmalen Tal, die
Bewässerungsleitungen an den Hängen und die Häuser die an den Felsen zu kleben
scheinen. Zum Schluss des Tages führte die Fahrt über treppenartige Felsplatten
steil den Berg hinauf. Zum Glück begann es erst als wir oben angekommen sind zu
winden und zu regnen, sonst hätten wir den Weg über die glitschigen Felsplatten
hinauf wahrscheinlich (wie die Franzosen vor ein paar Jahren) nicht geschafft!
Für mich war dies eine der heikelsten Pisten die wir befahren haben, mir wurde
tatsächlich bald schwindlig! Wegen dem Regen verkrochen wir uns für einen Moment
in die Autos, beim z'Nacht gab’s dann zur Belohnung aber noch einen schönen
Sonnenuntergang. Fern ratterte ein alter Peugeot über die Piste und spät in
der Nacht streunten zwei Hunde vorbei - Heini sagt es müssten Wölfe gewesen
sein, wegen der "Äkschen" und so - und machten sich hinter unsere
Essensreste.
27.07.2000 Donnerstag Achahoud - Tizi n' Tichka –
Marrakech
Nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen wieder
zusammen und fuhren das Tal hinaus. Zuerst noch steil und eng wurde das Tal dann
immer weiter und grüner, die Oleanderbüsche übertrumpften sich in ihrer
Blütenbracht und wir genossen diese herrliche Fahrt in vollen Zügen. Kurz nach
dem wir die Teerstrasse erreicht hatten, bog Heini auch schon wieder rechts in
eine Piste ab. Es erwartete uns ein faszinierendes Naturphänomen, ein Salz
führendes Bächlein gurgelte durch das kleine Tal. In quadratischen Absetzbecken
wird das Salz gewonnen. Die Kinder faszinierte vor allem der in allen Farben
vorkommende Lehm, welcher sofort gesammelt wurde um später damit naturfarbene
Bilder malen zu können. Weiter ging's auf Teerstrassen mit eine veritable
Passstrasse über den Tizi n" Tichka wo ich die alte, kaputte Uhr von Felix an
einen Händler verschenkte. Unterhalb des Passes assen wir am Strassenrand bei
einem Aussichtspunkt eine Kleinigkeit und schauten zu, wie auf der anderen
Talseite Leute auf schmalen Bergwegen unterwegs waren. Unsere Fahrt führte
uns nach Marrakech, wo wir im Hotel Sihat Safir zwei Bungalows bezogen. Am Pool
kühlten wir uns ab, ehe es uns in die Stadt zog.
Wir schlenderten über den
Djemaa el Fna und genossen die Gaukleratmosphäre. Simon bekam eine Schlange um
den Hals gelegt. Er stand bocksteif da und schwor, dass er zum letzten Mal eine
Schlange um den Hals gehabt habe. - Ist Simi wohl von seinem
-Schlangenterrarium-Wunsch geheilt? - Wir sahen die Akrobaten Menschenpyramiden
bauen, hörten kurz dem Geschichtenerzähler zu, bestaunten die Ingredienzien des
Medizinmannes, liessen uns von den traditionell bunt gekleideten Wasserverkäufer
nicht dazu überreden aus den Metallschälchen Wasser zu trinken und auch dem
gluschtigen, frisch gepressten Orangensaft widerstanden wir aus Furcht vor
Montezumas Rache! Nun machten wir noch einen Rundgang durch den zum Leben
erwachten Souq und schwelgten ganz einfach in dieser einmaligen, orientalischen
Atmosphäre. In einem Restaurant am Djemaa el Fna genossen wir den Anblick über
den Platz und dazu (aus einem sauber gewaschenen! - ?) Glas einen frisch
gepressten Orangensaft mit einer Kugel Citronensorbet - das schmeckte wirklich
herrlich! Das Nachtessen gab's so richtig touristisch im Hotel am Pool.
28.07.2000 Freitag Marakkesch ->
Ruhetag
Diesmal fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt und besuchten hier
die Medersa und das Musee privee, beides absolut sehenswert. Über den Mittag
gingen wir zurück ins Hotel, kochten uns eine Kleinigkeit in der Bungalowküche
auf Heinis Benzinschleuder und anschliessend gab's Siesta am Pool. Felix
"chnübelte" während dessen am Auto herum. Am Abend besuchten wir noch einmal den
faszinierenden Djemaa el Fna, schlenderten durch den Souq zum Marche des epices
und liessen uns Henna-Tatoos auf die Hände malen. Das Nachtessen gab’s wieder im
Hotel am Pool und nach einem kurzen "Schwumm" ging's ab ins Huli!
Und wieder hiess es packen. Die Fahrt führte uns
zuerst nach Casablanca. Zum Mittagessen reichte es nur noch stehend an der
Quaimauer, denn um 14.00 Uhr begann bereits die Führung durch die grosse
Moschee. Dieses überaus eindrückliche Bauwerk wurde von einem Franzosen geplant,
wurde auf einer Klippe ins Meer gebaut und ist die drittgrösste Moschee der
Welt. Die Moschee ist 200 Meter lang und 100 Meter breit, ihr Turm ist 200 Meter
hoch. In der Moschee haben 20'000 Menschen und auf den Platz davor deren 100'000
Platz, einfach gigantisch. Unser Führer verstand sich ausgezeichnet mit den
Kindern und diese hatten den Plausch mit diesem zu "schnäderen". Nach dem
Besuch dieser Moschee, übrigens eine der ganz wenigen die von Ungläubigen
barfuss - tschau Fusspilz - betreten werden darf, gab's für die Kinder eine
Glace bevor die Fahrt weiter nach Rabat ins Hotel Ibis ging. Die Ibis Hotels
sind nicht super-top, aber so gut, dass man sich als Europäer ohne weiteres
wohlfühlt. Zudem verkehren in diesen Hotels auch viele Einheimische, so dass
doch hin und wieder ein Kontakt mit dem "zivilisierteren" Marokko möglich
wird. Nach dem duschen besuchten wir den Tour Hassan und das Grab des
Grossvaters des jetzigen Königs. Anschliessend tranken wir in einer typischen
Marokkanerbeiz noch einen traditionellen Scheibi na na (Schwarztee mit
Pfefferminzen) und gingen ins Hotel zum Nachtessen.
30.07.2000 Sonntag
Rabat
Nach dem "Confi mit Anke Zmorge" fuhren wir nach Sale und
schauten uns die Medersa Abdoul Hassan an. Die ist sehr klein aber äusserst
fein! Ein junger (hübscher) Student führte uns durch das 1340 erbaute Gebäude,
und erklärt viele kleine, interessante Details, wie zum Beispiel die Bedeutung
der Zeichen in den grafischen Muster, nebenbei schäkerte er mit den jungen und
älteren Girls. Das war wirklich toll und sehr interessant. Wir haben uns
entschlossen an den Strand zum Baden zu gehen und so kauften wir "Chups" und
etwas zu trinken ein und fuhren, auf der Suche nach dem echten Strand-Feeling an
den "Plage des Nations" - und das an einem Sonntag! Die diversen Transportmittel
auf der Anfahrt, die riesenmenge Leute - praktisch nur Marokkaner -, das
Gequatsche, die Macho-Show der Jungs und das kokettieren der Girls, schon das
war einen Ausflug wert! Dann war da das Meer, herrliche Atlantikwellen in denen
man sich stundenlang tummeln konnte. Ein paar Mal hat es uns recht "getünklet",
Karins Taucherbrille und meine Sonnenbrille gingen in den Fluten unter, aber
beide fanden sich wieder, Karins Taucherbrille gar auf dem Kopf eines
marokkanischen Mädchens! Um vier Uhr machten wir uns, wie viele andere auch,
auf den Rückweg, suchten im Souq von Rabat nach einem Zuckerbäcker und kauften
ein Kilo marokkanische und Kokos-Patisserie ein. Eine ganze Menge Leute kamen
vom Strand vor Rabat zurück (dieser ist im Gegensatz zum weiter nördlich
liegenden Plage des Nations nicht sehr "aamächelig") und hatten zum Teil ein
Riesengaudi mit Musik, Gesang und Tanz über die ganze Gassenbreite. "Thats
life". Aber der Höhepunkt des Tages folgte erst noch: Irene und Heini luden
uns alle zum grossen Gala-Diner ins erste Hotel Rabats, das Meridien ein. Um das
Hotel standen eine ganze Menge Polizisten, die schwarzen Limousinen waren nicht
zu übersehen und wir kamen mit Heini's Vehikel angetuckert. Wir wurden
aufgehalten, durften als Hotelgäste aber immerhin das Auto auf dem Trottoir 50 m
vor dem Eingang abstellen. Heini ging forschen Schrittes voran geradewegs in die
Hotelhalle, wir anderen hatten den Weg bis neben den Eingang geschafft und schon
kam der ganze Pulk bestehend aus Bodygards und mitten drin dem König von
Jordanien an uns vorbei und brauste mit den gepanzerten Limousinen davon, dies
so schnell, dass der letzte Bodygard sich gerade noch ins fahrende Auto
hereinziehen konnte. "Thats Show-time"! Heini erzählte uns dann, er sei sich
noch nie so unbeholfen vorgekommen, denn was sagst Du, wenn Du unverhofft vor
einem König stehst: "Hei King", "Tschau König", hebst Du die Hand zum Gruss
oder fällst Du in die Knie oder wie oder was??? Das Nachtessen war eine
Wucht, es hatte alles was das Herz begehrt und dies absolut frisch am
Gartengrill zubereitet. Als kleines Intermezzo gab’s einen Sicherheitstest im
Hotel, der Strom wurde abgeschaltet und es hatte nur noch Kerzenlicht was sehr
romantisch war. Wir genossen das Essen, den Wein und das Dessertbuffet in vollen
Zügen -Merci Heini und Irene. Nun wurde es Zeit zurück in unser Hotel zu
fahren und so begaben wir uns wieder in die Hotelhalle. Alle weiblichen Wesen
unserer Gruppe schmolzen dahin, als nun mit wehendem Gewand der wunderhübsche
Kronprinz von Saudi-Arabien mit Gefolge vorbeirauschte! Mit vielen Gedanken
von im Souq badenden K ö n i g e n d e r M e d e r s a d e s Z u c k e r
b ä c k e r s s c h l i e f i c h
e
i
n
31.07.2000 Montag Rabat –
Tanger
Noch ganz verklärt vom gestrigen Abend machte ich mich ans Packen
der königlichen, ähh nein, vergammelten Garderobe. Unser heutiges Ziel war
ganz einfach Tanger, die Hafenstadt und natürlich "unser Schiff", die
Marakkesch. Die Fahrt von Rabat nach Tanger war extrem heiss und unangenehm
feucht. Eigentlich wollten wir wieder an unserem Platz vom ersten Tag in Marokko
Rast machen. Die Kinder gingen auch baden, aber bald merkten wir, dass die Flut
uns wohl einholen wird, und da der Strand sehr flach war kam das Wasser auch mit
Windeseile immer näher. Bereits nach zehn Minuten mussten wir die Kinder
zurückpfeifen, diese begriffen zuerst gar nicht was los war, bis sie ihre im
trockenen abgezogenen Schuhe aus dem Wasser fischen mussten! Wir verzogen uns an
einen anderen Platz, es windete aber am Strand so sehr, dass wir gar nicht
anständig essen konnten. In Tanger kauften wir noch arabisch angeschriebene
Coci- und Fanti-Büchsli als Mitbringsel, dann ging’s zum Hafen. Felix liess sich
von einem Schnorrer überreden, die obligaten "fiches" auszufüllen, der
verschwand für 15 Minuten, kam dann mit den ausgefüllten "fiches" zurück,
erzählte es sei jetzt alles erledigt und knöpfte Felix 20 Dirham ab. Allerdings
kam dann für Felix das was kommen musste, das Anstehen, die Zollformalitäten
inklusive vorführen der ganzen Familie etc. alles ganz genau gleich wie schon
immer gehabt! Übrigens brauchte Felix selber normalerweise fürs ausfüllen der
"fiches" nie mehr als 10 Minuten! Mit dem letzten marokkanischen Geld kaufte ich
noch eine Musikkassette von einem Marktschreier. Das Einschiffen ging im
Verhältnis zu Sète dann doch sehr schnell. Wie wir so dem Vorbereitungsprozedere
zum Ablegen zuschauten, fuhr plötzlich ein Polizeifahrzeug vor und es wurde ein
Europäer in Handschellen aufs Schiff gebracht. Allerdings war wohl der Kapitän
nicht sehr erfreut eine solche Fracht zu erhalten, 20 Minuten später wurde
Selbiger nämlich, immer noch in Handschellen, wieder vom Schiff zurück ins
Polizeiauto verfrachtet. Kurz nach 18.00 Uhr legte die Marrakesch ab und stach
in See. Zum z'Nacht gab's Braten, Pommes Duchesses und Bohnen, Simon
"schnädderte" in der Bar noch mit den Kellnern - weder verstand er sie, noch sie
ihn, sie hatten's einfach lustig - dann ging’s ab ins Bett.
01.08.2000 Dienstag Tanger - Überfahrt nach
Sète
Wir haben bis nach Acht geschlafen, dann gemütlich "Zmörgelet" und
anschliessend "Gfulänzet". Bald gab's Apéro und Mittagessen und damit ich nicht
immer alles aufzuschreiben brauche, habe ich eine Speisekarte geklaut! Am
Nachmittag wieder lesen und faulenzen, ich schreibe noch das Tagebuch und die
Kinder gehen schwimmen oder spielen mit anderen Kindern Karten. Zwei Helis der
spanischen Armee drehen die Runde übers Schiff, hie und da kreuzt uns ein
Frachter oder ein Segelschiff. Das Meer ist ruhig und wir geniessen das
Nichtstun. Nach dem z'Nacht gab's noch Party-time, die Mädchen tanzten, Simon
nippte cool am Coca und schaute lässig zu. Bald brummten uns die grossen
Dieselmotoren eintönig in einen wohligen Schlaf in unseren
Kojen.
02.08.2000 Mittwoch Sète – Sutz
Heute legen wir
nach dem Morgenessen in Sète an. Alles verläuft ruhig und zügig, es gibt keine
grösseren Probleme, obwohl unser Auto nicht rund läuft und elend hochtourig
lärmt. Auf der Heimfahrt läuft alles glatt, wir essen in Südfrankreich
z'Mittag und bereits in der Schweiz am Genfersee z'Nacht. Noch eine letzte
"Äckschen" gibt’s im Tunnel von Neuenburg: Als eine Automobilistin Felix
überholen will, geht der etwas vom Gas, der Mitsu schiesst wie eine Granate so,
dass der Auspuff Feuer speit und die arme Autofahrerin beinahe die Nerven
verliert! Noch zwei, drei Knaller und wir sind alle gut und gesund zu Hause
angekommen.
03.08.2000 Donnerstag Sutz
Schon geht Felix wieder
arbeiten. Briners haben bei uns geschlafen und nehmen noch ihren letzten "Bitz"
nach Bellikon unter die Räder.